Es gibt im Augenblick sehr viele Entwicklerkits, die teilweise von den Chipherstellern gesponsert werden. Die Ausstattung der einzelnen Kits unterscheidet sich dabei deutlich, sowohl was die Hardware als auch die mitgelieferten Tools angeht. Die Liste der Boards ist sicher nicht vollständig. Es kann auch keine Garantie über die Verfügbarkeit und Preise gemacht werden.

Controllerboards mit der CortexM-Serie

NXP LPCXpresso von Embedded Artists:
Von diesem Board gibt es drei Versionen. Auf allen Boards ist ein JTAG-Interface untergebracht, das auch vom Prozessorteil abgetrennt werden kann. Als Toolchain wird die Code Red IDE mitgeliefert, die auf Eclipse aussetzt und die maximal 128kB Programmcode erzeugen. Der Unterschied zwischen den Boards besteht nur aus dem verwendeten Controller. Es gibt Version mit dem LPC1114, LPC1343 und den LPC1769, die jeweils zwischen 20,- und 30,- Euro kosten. Zu beziehen sind diese Boards z.B. bei Watterott oder Farnell.
LPCxpresso Board

 

MBed von Embedded Artists:
Kleines Controllerboard mit dem LPC1768 ohne JTAG-Interface. Als Entwicklungstool wird eine Online AJAX-Oberfläche eingesetzt, über die das Compilieren remote erfolgt. Der Vorteil dieses Board ist es, dass es einen Haufen von fertigen Libraries gibt, die man in eigene Projekte einbinden kann. Erhältlich ist es z.B. bei RS Electronic für ca. 60,- Euro.

Stellaris Evaluation Kits von Texas Instruments:
Von Texas Instruments gibt es für die unterschiedlichen Stellaris Controller Evaluation-Kits, die zwischen 50 und 100,- Euro kosten. Diese Kits enthalten immer einen JTAG-Adapter und eine 30-Tage Demoversion einer Entwicklungsumgebung. Zu beziehen sind diese Boards z.B. bei Farnell. Eine aktuelle Aufstellung der erhältlichen Boards findet man auf der Seite von TI. Für Roboterbastler ist besonders das Kit EKB-UCOS3-EVM interessant, das einen kleinen Roboter auf Basis des LM3S0B92 enthält.
TI EK-LM3S9B92

STM32 Primer 2
Das STM Primer 2-Kit sieht ein bisschen aus, wie ein MP3-Player, der an einem Lanyard um den Hals getragen wird. Es ist mit einem STM32F103E bestückt. Außerdem sind in dem Primer2 ein kleines Touch-Farb-LCD, ein 3D-Beschleunigungssensor und ein kleiner Joystick verbaut. Die Programmierung erfolgt mit der gelieferten RIDE-IDE von Raisonance, die leider beim Debugger auf 32kB beschränkt ist. Dieses Kit kostet ca. 70,-Euro und ist
z.B. bei Watterott oder Farnell erhältlich.

STM32LV Discovery:
Diese Kit ist das günstigste Cortex-Board mit eingebautem Programmer/Debugger, das mir bekannt ist. Das Boad besteht aus einem STM32F100RB und einem ST-LINK Debugger. Es kostest ca. 14,- Euro und ist
bei Watterott oder Farnell erhältlich.

Controllerboards mit der CortexA-Serie
Die folgenden Boards sind richtige Rechenmonster für z.B. Multimedia-Anwendungen wie Medaiplayer, Smartphones oder PAD-Computer. Wenn man versucht diese Boards von Grundauf selbst zu programmieren, wird man wahrscheinlich nie fertig. Zum Glück ist das aber auch nicht notwendig, denn es gibt diverse Betriebssysteme für diese Boards, z.B. Angström-Linux, Android, WinCE usw.

Bei allen hier im folgenden vorgestellten Boards handelt es sich offiziell um Open Source Hardware Projekte, die von der Community getragen werden. Das heißt, dass alle Schaltpläne und Unterlagen zu diesen Platinen offengelegt und als Basis für eigene Entwicklungen benutzt werden dürfen. Praktisch werden diese Projekte aber sehr stark von dem Hersteller der Prozessoren Texas Intruments unterstützt. Ich persönlich finde diese Unterstützung von TI hervorragend, weil bisher für Hobbyentwickler und Studenten nie so aktuelle Hardware zur Verfügung stand ohne mehrere Tausend Euro auszugeben. Andere Hersteller, wie Samsung und Nvidia sollten sich daran ein Beispiel nehmen!

Raspberry Pi 2
Der Raspberry Pi 2 ist sicher das bekannteste aller Single Board Computer für Bastler, das aktuell auf dem Markt sind. Der Raspberry Pi 2 hat vier CortexA7-Prozessoren, die jeweils mit 900MHz laufen. Das ist gegenüber dem Vorgängermodell, der mit einem ARM11-Prozessor ausgestattet war, ein riesiger Leistungsspung bezüglich der reinen Rechenleistung. Die restliche Hardware des Raspberry Pi 2 wurde nur geringfügig verbessert. Es wurde das RAM auf 1GB erweitert und die Spannungsversorgung von Linear- auf Schaltregler umgestellt. Ansonsten ist das Design unverändert, daraus folgt, das die Anbindung des Netzwerks und der USB-Anschlüsse immer noch über einen USB-Link zum Prozessor läuft und entsprechend langsam ist. Andererseits sind für kein anderes Bastlerboard soviele Projekte, Beispiele und Applikationen verfügbar, wie für den Raspberry Pi. Allein deshalb ist der Raspberry Pi eine wirklich tolle Platform für eigene Experimente. Außerdem sind die Raspberry Pi-Boards sehr günstig (je nach Aufführung zwischen 27,- bis 40,- €) und gut verfügbar z.B. bei Reichelt Elektronik.

BeagleBoard
Unter dem Namen BeagleBoard sind inzwischen mehrere Computerboards mit einen Prozessor aus der Sitara-Serie erhältlich. In den Sitara-Prozessoren ist zu meist ein Cortex-A8 Kern verbaut, der mit einer Taktrate zwischen 700 MHz und 1 GHz betrieben wird. Damit haben die Beagleboards viel Rechenleistung, aber nur das Beaglebone-XM eigent sich als Multimediaplayer. Als Betriebssystem steht für diese Boards u.a. Angstrom-Linux, Debian und Android bereit. Ein Nachteil ist die Verfügbarkeit der Boards, die nicht besonders gut ist.

BeagleBone (White/Black)
Das BeagleBone ist ein Verwanter des BeagleBoards. Es setzt auch einen Sitara-Prozessor mit einer Taktfrequenz bis 1 GHz ein. Eine Besonderheit des BeagleBone ist, dass das Board sehr viele IO-Signale auf externe Steckleisten geführt wird. Darüber läßt sich der BeagleBone über sogenannte CAPES sehr leicht erweitern. Ursprünglich ist das BeagleBone mit einer Angström-Linux Distribution ausgeliefert worden. Mit der neusten Version des Bone, dem BeagleBone Black Rev. C, wurde auf eine Debian-Linux Distribution umgestiegen. Durch diesen Wechsel sind viele der älteren Anleitungen zu dem Bone jetzt für Anfänger nicht geeignet, weil die Unterschiede in den Distributionen recht groß sind. Dafür ist der BeagleBone mit Debian, was die Systemkonfiguration usw. angeht jetzt mehr mit dem Raspberry Pi kompatibel.  Ein Problem, dass auch bei den aktuellen BeagleBone gibt ist die Verfügbarkeit. Diese Problem scheint sich aber gerade durch eine Lizenz-Fertigung der Boards durch Element14 / Farnell zu entschärfen. So ist das BeagleBone Black aktuell bei diversen Amazon-Händlern und auch Reichelt Elektronik erhältlich.

CraneBoard & PandaBoard
Diese beiden Projekte sind direkte Nachfolger des BeagleBoard-Projekts mit einem Anwendungsbereich mehr in Richtung Multimedia. Die Basis waren jeweils OMAP-Prozessoren von TI. Da TI diese Prozessorlinie eingedampft hat sind leider auch diese Projekte aus meiner Sicht ziemlich tod.

Es gibt inzwischen allerdings viele neue andere Entwicklerboards, die alle mehr oder weniger durch den Raspberry Pi inspiriert worden sind. Als Beispiele seien hier das Banana Pi und das Cubieboard 2 genannt, die mit einem A20-Prozessor von Allwinner bestückt sind, oder den ODROID-U3 mit ein Quad-Core Prozessor von Samsung.