Nachdem ich stolzer Besitzer eines Tektronix 1240 Logic Analyzers ohne Probes geworden bin, machte ich mich auf die Suche nach günstigen Probes für das Maschinchen. Das Ergebnis dieser Suche war, dass die Probes P6460 und P6462 scheinbar aus puren Gold bestehen müssen, denn sonst müsste man die Preise als unverschämt bezeichnen!

Während der Internetrecherche fand ich allerdings neben einer Dokumentation zu dem Analyzer auch eine Servicemanual mit den kompletten Schaltplänen zu dem Gerät und den Probes. Damit waren alle Informationen, die für den Nachbau der Probes notwendig waren, vorhanden.

Den Plan eine P6460 Logic Probe nach zu bauen habe ich allerdings relativ schnell wieder aufgegeben, denn der Aufwand für den Nachbau ist zu groß. Tektronix hat in der P6460 Probe einen ASIC eingebaut, der nicht mehr lieferbar ist. Dieser ASIC enthält neben 9-Kompatoren, über die die Schaltschwelle der Logikpegel eingestellt werden kann, auch das ECL-Interface zum Logic Analyzer. Es ist sicher auch möglich die Funktion dieser Probe mit einzelnen IC#s nach zu bauen, allerdings glaube rechtfertigt der Aufwand das Ergebnis nicht.

Besser sieht es hingegen bei der P6462 Logic Probe aus. Diese Probe ist einfacher aufgebaut, weil hier die Schaltlevel fest auf TTL-Level (1.4V) gelegt sind. Diese Probe eignet sich damit immer noch für alle 3.3V und 5V Logikschaltungen.

Die Originalschaltung der Probe:

Die Eingangsschaltung jedes Logic Channel besteht aus einer Transistorstufe, die einen Spannungsteiler so umschaltet, das ECL-kompatibel Signale erzeugt werden. Dieses Signal wird dann über ein Quad OR/NOR Gatter als differenzielles ECL-Signal an den Analyzer übertragen. Das ECL-Gatter ist vom Typ MC10101 von Motorola. Als Schalttransistor wird ein PNP-Transistor vom Typ SPS247 eingesetzt.

Zusätzlich ist in der Probe noch ein Schiebregister vom Typ 74C165 untergebracht, mit dem die automatische Erkennung des Probetypes erfolgt.

Die Schaltung der Nachbau Probe:

Der Transistor vom Typ SPS247 scheint schon lange ausgestorben zu sein, jedenfalls habe ich zu diesem Transistor keine Informationen gefunden. Ich gehe allerdings davon aus, das es sich bei diesem Transistor um einen Universal-PNP-Transistor handelt, der kompatibel zum BC247 ist. Um die Probe möglichst klein aufbauen zu können, habe ich dann einen SMD-Transistor vom Typ BC807 für diese Schaltstufe eingesetzt. Die Eingangskapazität dieses Transistors liegt mit 9pF leicht über der angegebenen Eingangskapazität der Probeeingänge beim Original. Die Transitfrequenz des BC807 wird mit mind. 80MHz angegeben. Dieser Transistor sollte für die Anwendung ausreichen.

In meinem Probenachbau wird als als OR/NOR-Gatter wird ein MC10H101P von On-Semiconductor eingesetzt. Dieser Baustein wird sogar, obwohl die Zeit der ECL-Technik ja schon vorbei ist, immer noch gefertigt. Es gibt den Chip sogar in einer bleifreien Version! Dieser Baustein soll kompatibel zu dem original MC10101 sein.

Das Schiebregister ist durch ein komp. 74HC165 ersetzt worden, das leichter erhältlich ist.

Da ich ein bisschen geizig bin, fand es es nicht schön, dass 2 Gatter des MC10H101 in jeder Probe unbeschaltet sind. Aus diesem Grund sind in dem Layout zwei Probes kombiniert, so das die Probe insgesamt 18-Kanäle plus zwei CLK-Leitungen enthält. Damit sind dann alle Gatter der ECL-Bausteine ausgenutzt.

Lötseite der Platine

Bestückungsseite der Platine

Bilder der fertigen Logic Probe

Wie auf den Bildern zu erkennen, ist die Schaltung der Probe in Mischbestückung aus THD- und SMD-Bauteilen aufgebaut. Dadurch konnte die Probe recht klein aufgebaut werden. Das Gehäuse der Probe ist nur 12,5cm x 6,5cm gross.

Der Anschluss der Probe erfolgt über zwei Flachbandkabel, die am Ende mit normalen Buchsenleisten versehen sind. Leider ist der Gehäuseauschnitt für die Anschlüsse am Analyzer selbst so klein, dass die Buchsenleisten nur passen, wenn man die Kunststoffblende am Analyzer entfernt.

Meine bisherigen Erfahrungen mit der nachgebauten Probe sind sehr gut. Die Probe funktioniert bis 25MHz ohne Probleme (weiter habe ich nicht getestet). Auch ist die Verwendung bei 3.3V Logikdesigns kein Problem.

Wenn Interesse am Nachbau der Probe besteht einfach melden. Ich habe zwar keine unbestückte Platine mehr übrig, aber eventuell würde ich sonst nochmal eine "Sammelbestellung" machen, dann ist die Fertigung der Platine günstiger.